Begeisterte Lehrer machen Schüler neugierig auf Naturwissenschaften

Begeisterte Lehrer machen Schüler neugierig auf Naturwissenschaften

Das Schülerforschungszentrum am MINT-Campus nimmt seinen Betrieb auf.

Was 10 Jahre wächst und währt, wird endlich gut: Das Schülerforschungs- und -technikzentrum (SFTZ) am MINT-Campus auf der „Alten Schmelz“ geht nun in den Probebetrieb und wird die ersten Jugendlichen im Rahmen des Fun-Ferien-Projekts der Stadt St. Ingbert betreuen. Das SFTZ soll Kinder und Jugendliche in Einzelprojekten oder als komplette Schulklassen für die MINT-Fächer begeistern und ihre Kompetenzen fördern.

In sieben Laboren erfahren Jugendliche Naturwissenschaft „zum Anfassen“

Das vom Trägerverein „MINT-Campus Alte Schmelz e.V.“ gegründete Zentrum umfasst 7 Labore: Chemie, Biologie, Informatik, Physik, Metallurgie, Mechatronik und Elektrochemie. Jedes davon ist mit bis zu 12 Schülerarbeitsplätzen ausgestattet, an denen einzelne Schüler oder ganze Schulklassen experimentieren können. „Mit unseren Themen orientieren wir uns am Lehrplan“, erklärt Senior-Prof. Rolf Hempelmann, Mitinitiator und betrieblicher Leiter des Projekts. „Wenn die Jugendlichen konkrete Aufgaben und Abläufe aus der Industrie, der Wirtschaft und der Wissenschaft hier selbst ausprobieren können, dann verstehen sie die Zusammenhänge besser und werden hoch motiviert.“ So können ganze Schulklassen zu Lehrplan-orientierten Themen Experimente durchführen, einzelne Gruppe Projekte in den unterschiedlichen Naturwissenschaften durchführen oder Kleingruppen z. B. im Rahmen von Ferienprogrammen selbst tätig werden.

Prof. Hempelmann präsentiert die Apparatur.

Motivation und Nachwuchsförderung

Die Experimente und Projekte sind für die Schüler und Jugendlichen kostenlos. „Darüber hinaus können wir während unserer Arbeit erkennen, wenn einzelne Kinder und Jugendliche besonderes Interesse entwickeln. An der Alten Schmelz wird in wenigen Jahren das CISPA Innovation Campus entstehen, das Firmen mit ganz spezifischen Problem- und Fragestellungen beherbergen wird. So können wir dann den interessierten Nachwuchs an die Wirtschaft vermitteln“, fügt Prof. Uwe Hartmann hinzu, Inhaber des Lehrstuhls für Nanostrukturforschung und Nanotechnologie an der Universität des Saarlandes, der das Projekt planerisch und strategisch geleitet hat.

Finanzierung

Finanziert wurde und wird diese praxisnahe Bildungsinitiative aus unterschiedlichen Quellen: Der etwa 3,3 Mio. teure Umbau des alten Schmelzgebäudes wurde zu 50 % durch EU-Fördermittel, zum 25 % durch den Bund und zu 12,5 % durch das Land getragen. Die Erstausstattung wurde vom Trägerverein finanziert und die laufenden Kosten, die auf ca. 100.000 Euro pro Jahr geschätzt werden, werden durch Drittmittelakquise eingeworben. So könnten z. B. Firmen Patenschaften für ein oder mehrere Jahre übernehmen. Gesucht werden nun engagierte „Lehrkräfte“ (emeritierte Professoren, pensionierte Lehrer), die ihr Wissen genauso liebevoll, kompetent und motiviert an die Schüler weitergeben, wie die beiden Initiatoren.

Bauphase

Die erste Projektstudie wurde im Jahr 2012 durchgeführt und seitdem haben wir fleißige und motivierte Hände, Förderer und Ideengeber daran gearbeitet. „An der Planungs- und Bauphase waren 30 Gewerke und 5 Ingenieur- und Architekturbüros beteiligt. Trotz einiger Hindernisse, wie Probleme mit dem Tragwerk und einem erheblichen Wassereinbruch, haben alle in der kurzen Zeit seit Baubeginn im April 2019 hervorragende und präzise Arbeit geleistet“, freut sich Alex Beck, Leiter der Abteilung Gebäudemanagement der Stadt St. Ingbert.

Die moderne Lüftungsanlage unter dem Dach.

Das Gebäude wurde unter strengen Nachhaltigkeitskriterien saniert. So ist etwa die Hälfte der Dachfläche mit Solarmodulen belegt, die den Strom für das Gebäude und die vor der Tür installierte E-Ladesäule für PKW und E-Bikes generieren. Die Beheizung erfolgt über eine Holzpellet-Anlage und die riesige Belüftungsanlage unter dem Dach erfüllt die modernsten Standards. In Abstimmung mit dem NABU St. Ingbert e.V. wurden auf der gesamten Breite der Ostseite unterhalb der Traufe hölzerne Nisthilfen eingerichtet.

Prozesse aus Natur und Industrie in praktischer Arbeit ‚be-greifen‘

Die Leidenschaft für MINT-Themen und der Vermittlung an Jugendliche ist Prof. Hempelmann und Prof. Hartmann anzumerken: Gern präsentieren sie ein Experiment im Chemielabor, bei dem aus Eisenerz, das aus der Dillinger Hütte geliefert wird, unter Zuführung von Stickstoff und Wasserstoff unter Wärme Wasser und Eisen erzeugt wird –, ein Prozess aus dem Hochofen der Stahlindustrie, bei dem schädliches Kohlendioxid vermieden wird. Auch gibt es im Biologielabor ein Digitalmikroskop, mit dem die Schüler zum Beispiel den Querschnitt einer Wurzel auf ihr Handy oder Tablett projizieren und vergrößern können.

Autoklave im Biologielabor.

Neben den Laborräumen umfasst das Gebäude auch einen Seminarraum und einen Hörsaal, der bis zu 60 Zuhörer fasst und in dem zukünftig auch das „Wissenschaftsforum St. Ingbert“, eine kostenlose Veranstaltungsreihe des MINT-Campus Alte Schmelz e.V. als hybride Online- und Vor-Ort-Veranstaltung stattfinden soll. „Mit dem MINT-Campus und dem Schülerforschungszentrum hat die St. Ingbert ein Alleinstellungsmerkmal erworben. Es ist so wichtig, dass Schüler die ‚Stoffe, die die Welt‘ bedeuten hier erfahren können und damit Interesse an den Naturwissenschaften entwickeln“, schließt Oberbürgermeister Dr. Ulli Meyer eine höchst ausgiebige und lehrreiche Führung durch die Labore ab. Die offizielle Eröffnung des Zentrums mit Kindern, die Experimente durchführen, und dem Besuch des Ministerpräsidenten wird Mitte Juli stattfinden.

Titelfoto: Vlnr: OB Ulli Meyer, Prof. Hempelmann, Prof. Hartmann, Martin Ruck, Alex Beck

Alle Fotos wurden von Martina Panzer aufgenommen.