UNESCO-„Welttag der Muttersprache“ 2021 in St. Ingbert: Strohpatt“ unn „Erbsegod“ fa sem Middholle

UNESCO-„Welttag der Muttersprache“ 2021 in St. Ingbert: Strohpatt“ unn „Erbsegod“ fa sem Middholle



Auf Anregung der UNESCO findet jedes Jahr am 21. Februar der international begangene „Welttag der Muttersprache“ statt. Da die UNESCO im Jahr 2000 die Mundarten Rheinfränkisch – hierzu zählt auch „Déngmerderisch“ – und Moselfränkisch als bedrohte Regionalsprachen eingestuft hat, wird dieser weltweite Aktionstag auf Initiative von Städteführer Klaus Friedrich, dem Kalligraphen Patrik H. Feltes und SR-Moderatorin Susanne Wachs seit 2013 auch im Saarland mit der bewusst grenzüberschreitend ausgerichteten und mittlerweile bundesweit beachteten Aktion „Rettet Muddaschprooch“ begangen. Erstmalig auch in St. Ingbert.

Letztes Jahr wurde mit einem kleinen Festakt das Tastmodell in der St. Ingberter Fußgängerzone eingeweiht. Dieses Jahr spielt es in einem neuen Zusammenhang die Hauptrolle. Unter dem Motto „Uff Schtään geschriev“/“Uff Schdään geschribb“ werden im Rahmen einer von SR3 Saarlandwelle begleiteten Mitmachaktion an zwölf unterschiedlichen Orten im Saarland und im benachbarten Lothringen mittelgroße Steine ausgelegt, die ausgewählte Mundartbegriffe ins Bewusstsein rufen und zum Entdecken, Mitmachen und Weiterführen einladen sollen. Der erste Stein wurde jetzt beim St. Ingberter Tastmodell von Klaus Friedrich, dem Vorsitzenden des Heimat- und Verkehrsvereins Konrad Weigerber und von der Ortsratsvorsitzenden Irene Kaiser ausgelegt. Der darauf zu findende Déngmerder Ausdruck „Erbsegod” steht dabei für eine knausrige Patin. Klaus Friedrich freut sich, dass die weltweit stattfindende Aktion dieses Jahr erstmalig in St. Ingbert stattfindet. Und auch Irene Kaiser hofft, dass mit solchen Aktionen die Mundart für spätere Generationen in Erinnerung bleibt.

Mundart-Steine können ausgetauscht werden

Und was passiert jetzt mit dem Stein? „Alle Interessierten und Mundart-Freunde können sich über die Internet-Seite von SR3 Saarlandwelle einen Ort auswählen und dann über QR-Code direkt zu dem jeweiligen Wortstein geführt werden. Von dort kann man die „Impulssteine” mitnehmen und im Austausch einen eigenen Stein mit Mundartbegriff ablegen. Diesen soll man fotografieren und an SR3 senden, wo eine Bildergalerie mit allen Wortsteinen angelegt wird.

Ziel: Mundart für die nächsten Generationen erhalten

Die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Einschränkungen erlauben 2021 leider keinen zentralen Aktionstag mit Publikum, dennoch sollen – „Graad selääds“ – auch diesmal die im Saarland gebräuchlichen Mundarten Rheinfränkisch/ Moselfränkisch als ebenso lebendiges wie bedrohtes Sprachkulturerbe vermittelt werden. Konrad Weigerber erinnert noch einmal an die St. Ingberter Mundart-Dichter Karl Uhl und den auch heute noch sehr engagierten Manfred Kelleter. Auch in der Fastnacht werde die ein oder andere Büttenrede noch in Mundart gehalten.